Walter Ballhause - Archiv

Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft 

Wilhelm von Humboldt

WALTER BALLHAUSE- ARCHIV  - DAS JAHRHUNDERTBILD


 Entstehungsgeschichte des Jahrhundertbilds von Walter Ballhause

 

Frühjahr 1932, Hannover, Arbeitsamt am Königsworther Platz: Hunderte von Arbeitslosen stehen dicht gedrängt Schlange, um ihr Stempelgeld abzuholen. Der junge Fotograf Walter Ballhause ist einer von ihnen. Als er auf den Auslöser seiner geliehenen Leica drückt, wusste er noch nicht, dass sein Foto später als Jahrhundertbild weltweit Bekanntheit erlangen wird.

 

Das Foto “Arbeitslosenschlange beim Stempeln im Hof des Arbeitsamtes Hannover (Frühjahr 1932, Wählt Hitler)”  zeigt die Folgen des 1. Weltkriegs, trägt die Aussage zu den Ursachen des 2. Weltkriegs in sich und schlägt eine gedanklich visuelle Brücke zu den Herausforderungen der Gegenwart. Deshalb wird es von Fotohistorikern als VISUAL HISTORY klassifiziert. 

 

Ballhause hat mit seinen Fotos eindrücklich die deutsche Geschichte, vor allem der Jahre 1930 bis 1933 zwischen Weimarer Republik und der Machtergreifung der  Nationalsozialisten dokumentiert. Sein Engagement hätte der Autodidakt beinahe mit dem eigenen Leben bezahlt. Auch wenn er mehrmals von der Polizei zum Verhör einbestellt wurde, ließ er sich nicht beirren und richtete seine Kamera weiter auf seine leidenden Mitmenschen. 1944 wurde er schließlich wegen Wehrkraftzersetzung und antifaschistischer Tätigkeit verhaftet und kommt ins Zuchthaus Zwickau. Seine Gestapo-Akte wird bei einem Bombenangriff auf das Oberlandesgericht Dresden zerstört, ein Prozess bleibt ihm erspart, 1945 wird er von den Alliierten befreit. Seiner Ehefrau Henni ist es zu verdanken, dass die Fotos das Naziregime überhaupt überstanden haben. Sie hat die Negative während einer Hausdurchsuchung hinter eine Kartoffelkiste im Keller genagelt.

 

Eine ausführliche Würdigung des fotografischen Werkes des Arbeiterfotografen Walter Ballhause erfolgt im Bilderatlas DAS JAHRHUNDERT DER BILDER im Beitrag von Jörg Boström:

 

 "Arbeitslos - Die Wirtschaftskrise 1932 in den Fotografien Walter Ballhauses"

 

auf Seite 104 führt er dazu aus: "Kein anderer Fotograf hat so eindrucksvoll die Menschen der großen Krise festgehalten wie Walter Ballhause."

 

Dazu wird als Schlüsselbild auf Seite 405 die oben angeführte  Arbeitslosenschlange als hervorgehobenes Einzelbild im Reigen der Jahrhundertbilder gezeigt.

 

 

Bilder aus dem Walter Ballhause-Archiv haben mittlerweile in unzähligen Schulbüchern, wissenschaftlichen Publikationen, Zeitschriften, Tageszeitungen, Lehrfilmen, Fernsehproduktionen, Stiftungen, Gedenkstätten und Museen Eingang gefunden. Dabei spielt die Arbeitslosenschlange als Schlüsselbild deutscher Geschichte und seine Einordnung als Jahrhundertbild eine herausragende Rolle. 

 

 

Eine ausführliche Biographie, Bibliographie, Rezensionen und Auflistung seiner Diavorträge sowie charakteristische Bilder seiner sozialdokumentarischen Fotografie befinden sich auf der Webseite des Walter Ballhause-Archivs.

 

Zusammengestellt von Rolf Ballhause aus den Unterlagen des Walter Ballhause-Archivs.

 

Plauen, den 29.Mai 2019

 

Rolf Ballhause, 
überarbeitet  von Claudia Ballhause April 2020

 

 

 


 

                                                                                  

Walter Ballhause mit seiner Kamera 1930 in Hannover

Das Gesamtwerk von Walter Ballhause umfasst insgesamt 16 000 Negative und 53 Fotoalben.
Das Hauptwerk umfaßt die  sozialdokumentarischen Fotografie zur Zeit der Weimarer Republik vom 1930 - 1933. Die Fotos wurden  überwiegend in Hannover und Umgebung aufgenommen.
Weitere Themen sind, der Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg, Flüchtlingsschicksale, gesellschaftliche Höhepunkte in der DDR, Aufnahmen aus dem Arbeitsleben als Gießereileiter der Plamag - Gießerei, Porträts sowie Natur- und Landschaftsaufnahmen.
Auf Grund des gewaltigen Umfanges des Geamtwerkes kann nur eine kleine Auswahl in dieser WEB-Seite veröffentlicht werden. Zu den genannten Themen können wir auf Anfrage weitere Motive zur Verfügung stellen.



Die Kamera "Leica" mit der Walter Ballhause
seine sozialdokumentarischen Foto 1930 - 1933
aufnahm

Das eigene Auge des Fotografen ( Selbstporträt)
Walter Ballhause